Drei Jahre nach Jina
- Hanieh Mohammadi

- Sep 30, 2025
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Jina – das Mädchen, das Kurdistan der Welt bekannt machte
Vor drei Jahren, im September 2022, erschütterte die Nachricht vom Tod von Mahsa (Jina) Amini in der Haft der Sittenpolizei ganz Kurdistan und den Iran.
Sie war nicht nur ein junges Mädchen aus Saqqez; Jina wurde zum Symbol einer Generation, die nicht länger schweigend Erniedrigung und Diskriminierung hinnehmen wollte.
Für die Kurd:innen war Jina eine Erinnerung an eine historische Wunde: Jahrzehnte der Leugnung der Identität, kulturellen Unterdrückung, politischer Repression und des Verbots, die Muttersprache zu lernen.
Darum war Kurdistan der erste Ort, an dem die Straßen sich füllten und die Stimme der Welt erreichte.
Historisches Gedächtnis und die Gründe für den Aufstand in Kurdistan
Die Gesellschaft Kurdistans lebt seit Jahrzehnten unter Ungleichheit und Benachteiligung. Die Wirtschaft der Region wurde im Vergleich zu den zentralen Provinzen zurückgehalten, große Investitionen fanden dort selten statt, und Arbeitslosigkeit und Armut wurden zu einem strukturellen Problem. Gleichzeitig führten Einschränkungen im Unterricht der Muttersprache und im kulturellen Leben zu einem tiefen Gefühl von Leugnung und Ungerechtigkeit. Der Tod von Jina erhielt in diesem Kontext seine Bedeutung: Er war nicht nur ein Vorfall, sondern ein Funke im Pulverfass von Unzufriedenheit und Wut.
Die Straßen von 2022 und die Parole „Jin, Jiyan, Azadî“
Als die Menschen in Saqqez und Sanandaj auf die Straßen gingen, ertönte die Parole „Jin, Jiyan, Azadî“ – eine Parole mit Wurzeln in der kurdischen Freiheitsbewegung. Sie durchbrach rasch die Grenzen Kurdistans und hallte in Teheran, Maschhad, Isfahan und Schiras wider. Zum ersten Mal wurde eine kurdische Parole zu einer gemeinsamen nationalen Sprache. Dieser Moment zeigte, dass die Leiden und Hoffnungen Kurdistans zu einem gemeinsamen Anliegen aller Völker Irans werden können.
Repression – die immer gleiche Antwort des Regimes
Doch die Antwort der Regierung war dieselbe, wie sie die Geschichte immer wieder gezeigt hat: Kugeln, Verhaftungen und Einschüchterung. Kurdistan zahlte einen hohen Preis. Von Mahabad bis Piranshahr, von Sanandaj bis Ilam und anderen kurdischen Städten wurden die Straßen zu Schauplätzen des Blutes junger Menschen, die nichts anderes als Freiheit wollten. Berichte von Menschenrechtsorganisationen sprechen von Hunderten Toten und Tausenden Verhafteten. Familien wurden unter Druck gesetzt zu schweigen, doch viele trauernde Mütter brachten ihre Stimme an die Weltöffentlichkeit. Diese massive Repression zeigte, dass das Regime keinerlei Fähigkeit zum Zuhören hat.
Kultureller Widerstand – die Straße ist nicht still
Obwohl die Straßenproteste nach Monaten nachließen, setzte sich der Widerstand in anderer Form fort. Frauen in ihrer Alltagskleidung, Dichter:innen und Schriftsteller:innen in ihren Werken sowie Künstler:innen in Musik und Theater hielten die Erzählung des Protests lebendig. Ich arbeitete als Lehrerin in Kurdistan und unterrichtete heimlich Kurdisch, da dessen Unterricht verboten war. Jeden Tag versuchte ich mit Angst und Sorge, die Kinder mit ihrer Sprache und Kultur vertraut zu machen. Diese Erfahrung, so klein sie auch war, wurde für mich zu einem Symbol des kulturellen Widerstands und der Standhaftigkeit der Menschen gegen brutale Unterdrückung. Die Stille der Straßen heute ist keine Stille der Zustimmung. Im Alltag der Menschen ist klar zu sehen.


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